Schwarzwald-Super 2017

Etwas lädiert und träge liege ich auf meiner Couch und lasse den vergangenen Sonntag revue passieren. Alles begann wie so oft mit einem Anruf von meinem Kumpel Tom. Voller Begeisterung und inspiriert durch den Ötztaler, welchen er fotografiert hatte, überhäufte er mich mit Argumenten, warum es eine Topidee wäre, in 4 Tagen den „Schwarzwald-Super“ mit ihm zu fahren.

Spontan wie ich manchmal leider bin, habe ich mich angemeldet. Nachdem ich bezahlt hatte, kam ein Anruf von Tom mit ebenfalls vielen guten Argumenten, welche gegen einen Start für ihn sprachen…;) Kurz und gut, bei solchen Veranstaltungen ist mir das, durchaus vertändlich, schon öfter passiert.

Da einen die Kumpels mit soetwas aber super in die Pfanne hauen können, dachte ich kurz nach, wen ich nun so richtig in die Pfanne hauen könnte. Meinen Kollegen Roman, seineszeichen Triathlet und Ausdauertier, schreckten die 256km nicht ab. Die 6500HM behielt ich zunächst für mich, bis er die Überweisung getätigt hatte 🙂

Als ihm der volle Umfang des Projektes gewahr wurde, passierte etwas tolles. Wir beschlossen, statt wie alle Jahre zuvor uns gegenseitig fertig zu machen, die Veranstaltung Seite an Seite zu bestreiten und uns gemeinsam durchzuschlagen (ich hätte fast meine gesamten Ersparnisse gegen eine erfolgreiche, gemeinsame Aktion gewettet).

Beim Schwarzwald-Super geht der Leitgedanke für die Meisten aber wohl eher in Richtung Survival.“

Als wir um 5.30 mit Lichtern auf den ersten Berg hinaufradelten machte sich bei Roman Nervosität breit. Er klemmte sich fast wie von selbst immer an die Überholenden. Das ist auch sehr sinnvoll, wenn ein Rennen 3-5h dauert. Beim Schwarzwald-Super geht der Leitgedanke für die Meisten aber wohl eher in Richtung Survival. Die ganze Veranstaltung ist ja auch nicht als Rennen angelegt.

Meine Aufgabe bestand also darin, Roman ständig einzubremsen. Da ich mit der Schwerkraft generell mehr Probleme habe als meine Mitstreiter war das auch ein ganz natürlicher, in sich stimmiger Vorgang…

Die ersten 3h radelten wir tolle Straßen im Süd-Südschwarzwald ab. In Todtnau angekommen bewegten wir uns wieder in bekannten Gefilden, wobei wir uns ehrlich fragten, ob Streckenkenntnis bei so einer Veranstaltung wirklich von Vorteil ist. Als erster richtig schwerer Anstieg stellte sich uns der Turner in den Weg. Auf einer alten, weitgehend verkehrsfreien Strasse pedalierten wir gegen ekelhafte unregelmäßige Steilrampen an. Hier wurde uns auch klar, dass wir in der Übersetzungswahl seeeehhhhr optimistisch gewesen waren. 39/27 war für uns das höchste der Gefühle. (Insider-Tip: mind. Kompakt und 27!).

Da wir beide keine Tacho oder ähnliches hatten, zählten wir lediglich die Gipfel um abschätzen zu können, wie weit wir es noch hatten. Nach einer sehr langen, tollen Abfahrt durch das Hexenloch nach Waldkirch kam der Kandel. Dieser Berg ist laut Veranstalter der Härteste. Den nackten Daten nach ist das auch so. Wir bewältigten ihn überraschend gut und genossen eine weitere grandiose Abfahrt mit kurzem Zwischenanstieg (Platte) nach Oberried.

Dort angekommen baute sich mein persönlicher Angstgegner, der Rinken vor uns auf. Ein sanft in ein liebliches Tal hineinsteigender sich aber mit exponentieller Steigungsentwicklung als Hölle entpuppender A…anstieg!!! Zumindest wenn man meine Masse/Übersetzung und Stand der Erschöpfung mit einberechnet.

„Roman atmete einen Mix aus Nutella und Flädlesuppe ein und bekam wieder Farbe ins Gesicht.“

Nichteimal die wohlgeformten Beine einer vorrausfahrenden Radlerin schafften es, mich aus meinem Survivalmodus zu bewegen. Roman a.k.a „Die Bergelfe“ musste ich auch ziehen lassen. Er dachte zu dem Zeitpunkt wohl, seine Komfortzone wäre größer und fuhr davon… BAD IDEA!!!

Auf dem Rinken angekommen fing es an zu Regnen! Wir fuhren weiter in Richtung Feldberg und Roman fiel zunehmen durch schlechtgelaunte, pessimistische Einwände negativ auf. Am Anstieg von Bärental auf den Feldberg (eigentlich ist das kein richtiger Anstieg!!!) war bei Ihm plötzlich der Ofen aus. Ich hielt es zunächst für einen Witz, realisierte dann aber, dass er doch echt zu kämpfen hatte. Wir blieben ruhig, da wir die Verpflegung auf der Passhöhe vermuteten. Zu meiner Belustigung musste aber noch ein fiese Asphaltrampe zu einer Hütte bewältigt werden, an welcher es dann aber den rettenden Brennstoff für uns beide gab. Roman atmete einen Mix aus Nutella und Flädlesuppe ein und bekam wieder Farbe ins Gesicht.

Ich kenne es aus eigener Erfahrung wie hart es ist, wenn man bei solch einer Veranstaltung in so ein Loch gerät.

Die folgende lange Abfahrt schlotterten wir beide in gemäßigtem Tempo hinab, um uns voll motiviert dem letzten Anstieg des Tages zu stellen.

Gefühlt eine Ewigkeit radelten wir Seite an Seite recht stumm gen Belchen. Die letzte Abfahrt ins Münstertal war genial. Weite, offene Kurven gepaart mit dem Gefühl, dass eben KEIN!!!weiterer Antieg wartet war genau der Zustand den wir nun brauchten.

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Im Ziel waren wir happy aber auch recht kaputt. Ziemlich genau 14 Stunden brutto zeigte die Kirchturmuhr.

Ich hätte all mein Geld verloren, da Roman und ich entgegen aller Erwartungen extrem gut harmoniert haben. Krisen kommen bei so einem Event, soviel ist klar. Seltenst kommen sie zur selben Zeit. Das macht es so spannend zu zweit zu fahren.

Die Stimmung und war durchweg super! Ein beonderes Lob gilt der Verpflegung. Hammer was hier aufgefahren wurde.

Danke an den Veranstalter für solch ein tolles Event!

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