(E-)Graveln für Einsteiger – ein Enduro Mountainbiker schaut über den Tellerrand

„Hey Hans, fahr doch bei unserer Gravel Rallye mit.“ Als mich Eva Fünfgeld, ein Urgestein der Schwarzwälder Fahrrad Community gefragt hat, ob ich nicht bei der von Hirsch-Sprung veranstalteten Gravel Rallye teilnehmen wollte, war mein erster Gedanke „wieso sollte ich“…

Ich meine: ganz ehrlich, Graveln ist doch nichts Halbes und nichts Ganzes. Auf der Straße bin ich mit jedem Rennrad schneller und im Wald und auf den Trails macht doch jedes vernünftige Mountainbike mit Federgabel deutlich mehr Spaß. Wieso also braucht es ein Rad, mit dem man weder das eine, noch das andere richtig machen kann und am Ende nur den faulen Kompromiss hat?

Höchste Zeit also den Blick über den Tellerrand zu wagen. Zumal Eva ein „Nein – keinen Bock“ sowieso nicht akzeptiert hätte.

Wo bekomme ich also auf die schnelle ein Gravelbike her? Als Mitgründer eines kleinen Freiburger Fahrradladens habe ich zwar die Möglichkeit auf einen großen Pool Testräder zurückzugreifen, aber Gravelbikes waren dieses Jahr Mangelware und schon früh auf breiter Linie ausverkauft. Das einzige Testrad, das wirklich graveltauglich war, hatte einen E-Motor drin. Die Überlegung, dann doch noch kurzfristig „wegen Krankheit“ abzusagen war genauso vorhanden, wie mit dem Enduro mitzufahren, aber mit 160mm und 2,5 Zoll breiten Reifen auf breiten Waldwegen und auch Asphalt zu fahren, wollte ich dann auch nicht. Es wurde also das E-Gravelrad. Augen zu und durch.

7 Uhr morgens in Breitnau

In der Ausschreibung stand irgendwas von Frühstück, also habe ich es gewagt ohne Frühstück zum Start zu fahren. Definitiv eine richtige Entscheidung, das Schwarzwälder Bergfrühstück mit frischem Obst und lokalen Spezialitäten war richtig lecker. Auch die anderen Fahrer sind nach und nach aus ihren Wohnmobilen und Campern gekrochen und anders als ich es von anderen Rennen gewohnt bin, war die Stimmung tiefenentspannt. Gravel-Fahrer gehen es wohl deutlich lockerer an, als ihre Kollegen von der MTB-Marathon oder Enduro-Fraktion. Dafür gibt es den ersten dicken Pluspunkt.

Diese Stimmung blieb auch bis zum Start und darüber hinaus erhalten. Die Black-Forest Gravel-Rallye will eher eine organisierte und geführte Tour mit Freunden sein, als ein knallhartes Rennen gegen die Uhr. Und das macht definitiv Spaß. Zusammen mit dem Freiburger Kaffee-Guru Jörg und der Rennmaschine Sönke ging es also auf die Strecke. Von Breitnau aus, kann man zwischen 3 Strecken wählen. Die kurze Strecke hat auf 65km knapp 1600 Höhenmeter, die lange fast doppelt so viele Kilometer und 2500 Höhenmeter.

Für mich hat sich sehr früh der erste Aha Effekt eingestellt. Graveln kann vor allem schön sein, es ist quasi Rennradfahren mit – in diesem Fall – grandioser Aussicht, nur fast ohne Asphalt und Autos. Ein angenehmes Radfahren, in kleinen Gruppen mit dauerhaft guten Gesprächen. Die Wege waren super ausgesucht und mit dem Mountainbike würde mir an der ein oder anderen Stelle wirklich die technische Challenge fehlen, aber auf dem Gravelrad fühlt sich das genau richtig an.

Zwischendrin wurden wir von Hirsch-Sprung immer wieder hervorragend versorgt. Die Verpflegung war richtig lecker und ich wäre gern an der ein oder anderen Station noch ein bisschen länger geblieben, dann wäre aber für die anderen „fast“ nichts mehr übriggeblieben.

Dank meines „nicht so guten“ Traingszustandes habe ich meine Mitfahrer bei ca. 40km auf die lange Runde verabschiedet und bin auf der kurzen Runde zurück ins Ziel gefahren. Habe ich vorher den E-Motor eher selten benutzt, habe ich ihn jetzt doch öfter mal auch stärker dazu geschaltet, um meine sich einstellende Müdigkeit in den Beinen zu überdecken. Das hat ganz gut geklappt und so war ich nach knapp vier Stunden wieder im Ziel in Breitnau.

Graveln – eine Raddisziplin mit Zukunft?

Mein Fazit ist ein ganz klares JA! In den letzten Jahren fuhren immer mehr Autos auf den Straßen im Schwarzwald und machen Rennradfahren manchmal zu einer eher unentspannten Angelegenheit. Gravelräder bieten die Möglichkeit, diese Art des Fahrens einfach in den Wald zu verschieben. Wenn dann noch die Landschaft und die Aussichten dazu passt, wie bei der Black Forest Gravel-Rallye, dann kann man extrem schöne Radmomente genießen. Ob es wie in meinem Fall unbedingt ein E-Bike sein muss, lass ich mal dahingestellt, für mich war es in diesem Fall einfach ein „Range-Extender“, den ein besser trainierter Fahrer definitiv nicht gebraucht hat.

Über den Autor. Hans ist einer der Mitgründer von Mount7.com, dem jüngsten Fahrradladen in Freiburg. Während seines Studiums hat er viele Events für Sportograf fotografiert. Sportler, die selbst Sportler fotografieren – aus Liebe zum Sport.

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