Alles Schlamm oder was?

22.06.2019 – Leipzig – 25 Grad – Galopprennbahn

In Gedanken höre ich das galoppieren der Pferde, wenn ich so auf der Wiese sitze, aber heute galoppieren andere Beine über die Bahn, tausende andere.

Denn heute ist der Muddy Angel zum ersten mal in Leipzig und ich mitten drin. Eigentlich bin ich die, die hinter der Kamera steht als Sportografin und heute lerne ich die andere Seite kennen und freue mich mega darauf.

Vor einigen Jahren war das noch absolut nicht denkbar, nahezu unmöglich. Zumindest sagte mir man das immer. Aber, wenn man mir sagt wo meine Grenzen sind, will ich immer darüber hinaus, trotz Krankheiten, trotz stetiger Aufenthalten in Krankenhäusern.

Wer bin ich eigentlich? Ich bin Lebensfreude pur 😉 Geboren wurde ich mit einer schweren Augenkrankheit, mit der Enddiagnose vollständige Erblindung mit ca. 12 Jahren. Heute, 33 Jahre und einige Operationen später fehlt mir ein Auge vollständig und habe auf einem Auge über -17 Dioptrin und ohne Sehhilfe eine Sehfähigkeit von knapp 20%. Du fragst dich jetzt: „und die ist Fotografin?“ – ja natürlich, warum auch nicht? So lange ich sehen kann, werde ich Fotografin bleiben, meine Leidenschaft.

Aber was verbindet mich mit dem Muddy Angels? Seit einigen Jahren bilden sich überall in meinem Körper kleine, gutartige Zysten und Tumore, die immer wieder raus operiert werden müssen. In den letzten 4 Jahren waren es 8 Stück, darunter auch in der Brust, an der Wirbelsäule. Meine Ängste waren extrem geschürt, dass die Ergebnisse nicht gut sind, jedes Mal stehe ich das durch. Biopsien, Mammographien. Die ganze Tortur hoch und runter. Nach den Gesprächen mit den Ärzten über die Resultate saß ich oft da und hab geweint vor Erleichterung. Aufhören wird das ganze jedoch nie.

Durch Sportograf bin ich auf die Muddy Angels aufmerksam geworden und bedauerte, dass es hier nicht in der Nähe ist und dann sah ich es, eine Veranstaltung in Leipzig. Schnell die beste Freundin angerufen „hast Bock?“, „klar“ und schwubb Tickets gekauft und nun hieß es warten. Was ziehen wir an? Katzenkostüm? Mit Ohren? Mit Glöckchen? Klar 😀 Das ¾ Jahr ging dann schnell vorbei und schon war der 22.06.2019 da. Die Muttis mussten natürlich mit, ohne die geht das doch gar nicht. Wir schrieben uns die ganze Zeit hin und her auf den Fahrten, wie kleine Mädchen zur ersten Reitstunde.

Dann waren wir da, Parkplatz war schnell gefunden, ab zur Anmeldung und auch das war schnell erledigt, noch unsere Rucksäcke abgegeben und dann hieß es warten. Der erste Startblock ging los, jetzt hieß es anstellen für den 10:20 Uhr Startblock, das war unserer. Wir waren so aufgeregt und nach dem Warm Up schon mal durchgeschwitzt. Wir haben uns vorgenommen nur zu laufen, immerhin war es kein Wettkampf wo es darum ging als erster im Ziel zu sein. Spaß stand für uns ganz oben und den hatten wir in Massen, zusammen und auch mit den anderen Teilnehmerinnen. Es ging durch die Wasserhindernisse, drüber und drunter und ab und an hat es zwischen den Zähnen geknirscht dank der Schlammpackung. 15 Hindernisse auf 5 km. Zu Beginn hatten wir echt gedacht „Oh Gott, ob wir das schaffen?“ und ich kann euch sagen, wirklich jede Frau in jedem Fitnesslevel kann das schaffen. Man ist so voller Adrenalin, schnattert hier und da und vergisst, dass man eigentlich gerade da mit macht.

Und dann waren wir schon nach 1:15 Uhr im Ziel, so schnell war das vorbei? Nochmal? Nee, heute nicht, aber die Tickets für 2020 haben wir schon.

Es war für mich ein tolles und zugleich beeindruckendes Erlebnis. Ich ziehe vor jeder Teilnehmerin den Hut, die den Krebs besiegt hat, die dort so voller Energie und Lebensfreude stand, deren Lachen von so tief innen kommt. Behaltet dies immer bei und lasst euch nie unterkriegen.

Schämt euch nie für das, was ihr durch gemacht habt und denkt dran: Ihr seid nicht allein! Ihr seid wunderschön! Lebt für das, was ihr liebt!

Ich hoffe, die ein oder andere Leserin in Leipzig zu treffen oder wenn ich als Sportografin wieder auf der anderen Seite bin und euch mit eurem schönsten Lachen fotografiere.

Wir sehen uns 2020 im Startblock.

text by Maika Schumann

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