Generali Halbmarathon Berlin: Mein erstes Mal

Am Mittwoch begann alles

Meine  Bilder vom Berlin Marathon 2018 haben dem Team von Sportograf wohl gefallen, denn am Mittwoch bekomme ich die Email, dass ich zu einem Test-Event eingeladen bin (Halbmarathon Berlin am kommenden Sonntag). Am Samstag soll auch noch ein Workshop stattfinden, bei dem dem „Sportografen“ die wichtigsten Dinge vermittelt werden.

Ok, es sind nur noch drei Tage, aber es könnte passen. Das Wetter ist traumhaft, die Vorhersage optimal: Sonnenschein und angenehme Temperaturen. Der Rest wird sich schon organisieren lassen.

Workshop am Samstag

Um neun Uhr am Samstag geht es los. Till aus der Zentrale in Freiburg begrüßt mich und mit Dagmar aus Berlin versuche ich mich erstmal im Kaffee kochen, es ist schließlich noch recht früh. Nach und nach trudeln die anderen Teilnehmer vom Workshop ein. Sie kommen aus Hamburg, Chemnitz, Marburg und natürlich viele aus Berlin.

Fotografen sind sie alle, die meisten nebenberuflich. Sie kommen aus ganz unterschiedlichen Sparten: Medien-Studenten, Ministerial-Beamte, Büroangestellte. Andere betreiben die Fotografie hauptberuflich, kommen aus der Architekturfotografie, dem Bereich Porträt oder „street und people“. Einige sind schon Jahre dabei, andere bereiten sich wie ich auf das erste Mal vor.

Persönlich fotografiere ich schon seit mehr als 40 Jahren. Durch meine Fotos vom Regattasegeln habe ich Erfahrungen mit Veranstaltungen, bei denen ich mehr als 3.000 Fotos mache. Bisher habe ich die dann aber selbst nachbereitet, das brauche ich hier nicht.

Till erläutert die Philosophie, die hinter Sportograf steht: Jeder Teilnehmer soll am Ende im Internet möglichst viele schöne Erinnerungen an den Lauf bekommen, dazu einige Impressionen von Berlin und dem Rennen allgemein.

Bei den Gesprächen stellt sich heraus, dass jeder Fotograf zwischen 15.000 bis 30.000 Fotos pro Event macht, in Summe also mindestens 600.000 für den Halbmarathon in Berlin. Verarbeitet werden sie zentral und mit Hilfe von Programmen, die automatisch die Startnummern erkennen und den Läufern zuordnen können.

Briefing am Samstagabend

Am Vorabend des Laufes sind die anderen Fotografen auch angekommen. In den Firmenwagen wurden Lichtschranken, 5 m hohe Stative und Hocker mitgebracht. Ein Team hat zuvor die Strecke inspiziert und die optimalen Stellen für die einzelnen Fotografen ausgesucht. Die Laufstrecke und die Fotografen-Spots werden durchgesprochen.

Fünfzig Fotografen werden sich an den Straßenrändern positionieren, ausgestattet mit Tele oder Weitwinkel. Ich bin am Checkpoint Charlie eingeteilt, gemeinsam mit drei anderen. Tom erklärt nochmal, dass alle Uhren in den Kameras synchron laufen müssen, damit die Teilnehmer später auch mittels ihrer Tracking-Uhren die Bilder finden können, falls einmal die Startnummer nicht mit drauf sein sollte.

Als es keine Fragen mehr gibt, zerstreut sich die Truppe. Ein Teil bezieht Zimmer im Hostel. Ich mache mich per U-Bahn auf den Heimweg. Mit einen Klapphocker unterm Arm, der mir morgen als Podest dienen soll.

Zuhause angekommen werden nochmals alle Speicherkarten formatiert, alle Akkus geladen und die Kamera mit der Atomuhr und dem Handy sekundengenau auf die richtige Uhrzeit eingestellt. Im 3. Versuch klappt’s. Der Messenger, über den sich alle verständigen, piept unablässig, weil immer mal wieder was korrigiert werden muss. Die Orga arbeitet bis spät in die Nacht und wieder ab den frühen Morgenstunden. Ich habe um 23 Uhr alles erledigt und versuche mal lieber etwas Schlaf zu bekommen. Der Sonntag kann noch einiges bringen.

Sonntag früh: The early bird catches the worm

Treffpunkt ist 8 Uhr am Spot, die BVG-App sagt, das dauert 13 Minuten von Tür zu Tür. Der Wecker klingelt um 6 Uhr, schnell noch mit dem Hund raus und alles zum letzten Mal gecheckt: Presseschild, Warnweste, Kameras, Klappstuhl. Akkus und Speicherkarten in die Hosentaschen. Es ist noch recht kühl, also Zwiebelschalen-Prinzip, denn über den Tag sollen es bis 20° C werden.  Die U-Bahn ist total leer, kein Wunder am Sonntagmorgen. Die Teilnehmer werden erst später die Bahnen und Busse bevölkern und gemeinsam zum Start fahren.

Am Spot angekommen verteilen wir die Positionen, die beiden Weitwinkel-Fotografen direkt am ehemaligen Wachhäuschen der Amerikaner, die Sportografen mit Tele etwas weiter hinten. Ich finde einen guten Platz an einer Straßenlaterne, dicht an der Straße. Von hier sollte ich einen guten Überblick vom Hocker aus bekommen.

Noch steht die Sonne nicht so hoch, das wird sich aber ändern, dann werde ich ziemlich Gegenlicht haben. Die Belichtung muss also entsprechend angepasst werden, sonst gibt es nur schwarze Gesichter und Silhouetten. Ein paar Probeschüsse mit den Kollegen: passt.

Die Friedrichstraße liegt noch weitgehend menschenleer da. Die Polizei, das Ordnungsamt und die Abschleppwagen sorgen dafür, dass die letzten parkenden Autos verschwinden und die Strecke frei wird. Die Ordner postieren sich und unsere Fotorucksäcke werden kontrolliert.

Der Messenger „plingt“ weiterhin unablässig, da jetzt jeder Fotograf seine genaue GPS-Position durchgibt. Der Arme, der das alles in irgendwelche Programme eingeben muss.

Der Start und die Skater

Langsam richte ich mich ein. Der Helikopter, der über der Straße des 17. Juli kreist, zeigt an, dass der Startschuss gefallen ist. Da wir bei Kilometer 16,5 stehen, sollten die ersten Skater in knapp 30 Minuten auftauchen.

Und dann geht es recht schnell. Erst kommen die Polizeimotorräder, dann der Security-Wagen, der Zeitwagen und schließlich die Spitzenskater. Finger auf den Auslöser und die Teilnehmer in der Dynamik abbilden.

In den kurzen Pausen, die zwischen den Ersten liegen, kann ich schon mal die Bilder checken. Sieht gut aus, bloß, dass die Startnummern nicht alle zu sehen sind. Die sind teilweise auf dem linken Oberschenkel fixiert und ich stehe rechts.

Die Skater bilden kleine Gruppen, die sich im Windschatten abwechseln, krasse Bilder. Mit der Zeit wird die Geschwindigkeit der Skater moderater. Der eine oder andere nimmt mich auch auf meinem Podest mit der Warnweste wahr und schenkt mir ein Lächeln oder ein „thumbs up“.

Die Läufer

Als sich das Feld der Skater so langsam ausdünnt, kommt die Spitzengruppe der Läufer, angeführt vom Zeitwagen und wieder Motorrädern. Die Läufer sind nur etwa halb so schnell wie die schnellsten Skater. Das gibt die Chance auf ein paar knackig scharfe Fotos. Man kann auch mal mehr oder mal weniger Tele nehmen und den Gesichtsausdruck und das Muskelspiel ganz gut abbilden.

Ziemlich schnell kommen die Spitzenläuferinnen in Sicht, dann finden sich zunehmend Startnummern anstatt aufgedruckter Namen. Bald wird das Feld der Läufer dichter und es wird schwieriger, Einzelne zu fixieren. Also weniger Tele, mehr Totale. Es folgen über 37.000 Läufer, deren Gesichter und Laufstile über die Fotos eine eigene Geschichte des Laufes schreiben. Das macht den Reiz der Fotos aus.

Halbmarathon in Berlin ist besonders

Je länger der Lauf dauert, umso entspannter sind die Teilnehmer. Die Stimmung in Berlin ist immer besonders, ganz speziell. Die Läufer kommen an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei, sie laufen durch Straßen mit klangvollen Namen und über berühmte Plätze. Die Stadt und die Zuschauer nehmen die Läufer mit und tragen sie mit ihrer Begeisterung quasi ins Ziel. Viele Teilnehmer interagieren aus Spaß an der Freude mit der Kamera, es macht Spaß, die Stimmung einzufangen.

Das Ende

Nach drei Stunden neigt sich der Lauf dem Ende entgegen. In der Ferne kommt der Besenwagen und einige Läufer kämpfen tapfer gegen die Mindestgeschwindigkeit an. Eine Frau ruft mir zu, ich solle den Bus bitten, langsamer zu fahren. Sie wolle auf jeden Fall ins Ziel. Ich hoffe sie hatte Glück.

Dann ist der Lauf vorbei. Der Zeigefinger auf dem Auslöser ist taub geworden, aber wofür habe ich einen Mittelfinger. Die Speicherkarte ist mit über 16.000 Bildern gefüllt, 2 Akkus sind leer. Der Rücken tut ein bisschen weh und die Arme sind verkrampft. Den Anderen am Spot geht es ähnlich.

Gemeinsam machen wir uns auf den Weg, um die Bilder abzugeben. Ich habe den Eindruck, einen Halbmarathon zu fotografieren ist fast so anstrengend, wie ihn zu laufen. Nur die Regeneration geht schneller. Als ich die Bilder sehe, gefallen sie mir sehr gut. Ich hoffe euch auch.

War schön jewesen (Zitat nach Lea Streisand).

Tramp

Ein Gedanke zu “Generali Halbmarathon Berlin: Mein erstes Mal

  1. Danke für den informativen Bericht mal von der anderen Seite..
    ich habe so mega schöne Bilder bekommen, die den Lauf und meine Stimmung an diesem Tag perfekt abbilden. Vielen vielen Dank von einer Teilnehmerin des Halbmarathons in Berlin

    Liken

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