Über Höhen und Tiefen

Von Höhen und Tiefen kann vermutlich jeder Rennfahrer ein Lied singen. Sie gibt es nicht nur auf dem Streckenprofil, sondern auch im Kopf!

Besonders zu spüren bekommt man das bei mehrtägigen Etappenrennen. Einen schlechten Tag oder Durchhänger, einen Defekt, Sturz, Verfahrer, oder Sonstiges erwischt vermutlich jeder Mal. Ob dies bei einem Etappenrennen nun besonders gut oder besonders dramatisch ist, kommt ganz drauf an und ist manchmal vielleicht auch einfach nur Kopfsache!

Einerseits hat man bei Etappenrennen mehr Zeit und mehr Chancen das Malheur in den restlichen verbleibenden Tagen zu kompensieren. Andererseits – und das kommt ganz auf das Ausmaß drauf an – kann es natürlich passieren, dass die Aussicht auf eine gute Platzierung im Gesamtklassement (oder das Finishen an sich) gänzlich vor die Hunde gehen. Nun ja, die Welt geht davon natürlich nicht unter, aber der Aufwand, die Zeit, die Vorbereitung, der man über Wochen und Monate anderes untergeordnet hat, und die Kosten zahlen sich dann eben nicht mehr aus. Im schlimmsten Fall wird man sich dessen noch während des Renngeschehens bewusst, fängt an zu hadern und stellt alles in Frage… Die Sinnfrage!

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An diesem Punkt – mit Puls 190 – ist es nur schwer sich vor Augen zu führen, dass Radsport viel mehr ist, als irgendwelchen Zeiten und Platzierungen hinterher zu jagen. Im Eifer des Gefechts und mit relativ hohen Ansprüchen an sich selbst gerät dann das Privileg, an den schönsten Plätzen der Erde, vor oft atemberaubender Kulisse, seinem Hobby nachzugehen zu dürfen, schnell in Vergessenheit. Ein Nicht-Sportler kann dies vermutlich nur schwer nachvollziehen und manch ein Hobbysportler, für den das Finishen an sich schon ganz großes Kino ist, vielleicht auch nicht, aber wenn man sich als Leistungssportler realistische Ziele setzt, im Bewusstsein darüber, diese auch erreichen zu können, ist das etwas anderes. Wenn nicht die eigene Leistung der limitierende Faktor ist, sondern einem externe Faktoren einen Strich durch die Rechnung machen, muss man erst einmal lernen, damit umzugehen.

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Aber das ist nun einmal Radsport und Rückschläge gehören genauso dazu wie Erfolgserlebnisse. Ein bedeutender Rennfahrer sagte einmal: „90% ist Kopfsache, 10% mental.“ Ganz so schwarz weiß würde ich das nicht sehen, aber in der Tat sind gute Beine nur die halbe Miete und ein starker Kopf von zentraler Bedeutung. Insofern können unvorhersehbare Geschehnisse einerseits zum Verhängnis, andererseits als Wegbereiter für Erfolge werden…

Bei meinem ersten Etappenrennen dieser Saison, dem dreitägigen Volcat in der Nähe von Barcelona, sollte ich genau das zu spüren bekommen. Nachdem die ersten beiden Tage leider nicht nach Plan verliefen und mehrere Kleinigkeiten sich summierten, resignierte ab etwa der Hälfte des Rennens an Tag 2 mein Kopf. Ich suche nur ungern Ausreden, und es waren tatsächlich keine gravierenden Einschränkungen, die mich daran hinderten mein Leistungsvermögen abzurufen, aber ich wurde das Gefühl nicht los, dass ich von den Beinen her eigentlich um das Podium hätte kämpfen können. Stattdessen stand am ersten Tag ein achter Platz auf dem Papier (gebrochener Schalthebel, Stock im Schaltwerk, Rückstau, ein Verfahrer, kein Betreuer, …), am zweiten sogar „nur“ der Zehnte (weitere „Kleinigkeiten“, die ich nicht alle auflisten möchte). Mental war das extrem zermürbend, lag ich doch bis zur Hälfte der zweiten Etappe noch auf einem verheißungsvollen dritten Platz und die Abstände im Gesamtklassement waren bis dato auch noch im Rahmen. Aber an dieser Stelle wurde plötzlich ein Hebel in meinem Kopf umgelegt, und mir war einfach alles egal. Ich wollte mich nicht mehr länger immer wieder von Neuem heran arbeiten und Löcher zufahren. Mein Kopf resignierte.

Im Ziel war ich zunächst sehr geknickt und konnte es mir selbst nicht so richtig erklären. Eigentlich wusste ich, dass es nichts brachte, nach Ausreden zu suchen und zu hadern und trotzdem machte ich mir Vorwürfe, nicht einfach durchgezogen zu haben. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass ich aufgehört hatte zu kämpfen und eigentlich in der Lage gewesen wäre, ein gutes Ergebnis einzufahren. Ich mag keine Hochstapler und auch keine Schönmaler. Schließlich muss im Laufe eines Etappenrennens jeder mal mit Schwierigkeiten kämpfen. Seien es technische, physische, psychische oder sonstige. Insofern ging es mir vielleicht gar nicht unbedingt schlechter als anderen. Entscheidend war nur die Einstellung. Und genau dazu machte ich mir im Nachhinein meine Gedanken…

Am dritten und letzten Tag wollte ich mich deshalb noch einmal am Riemen reißen und das Rennen mit Anstand zu Ende fahren. Dass meine Form gut war, wusste ich bereits seit dem 3. Platz beim Roc Laissagais eine Woche zuvor und auch die ersten beiden Etappen beim Volcat bestätigten mir dies immer wieder im Kampf gegen die Konkurrenz. Mein Selbstvertrauen war also noch da. Nach einem soliden Start rollte ich das Frauen-Feld von hinten auf und arbeitete mich Stück für Stück nach vorne, indem ich eine Fahrerin nach der anderen einsammelte. Als ich schließlich von Platz zehn bis auf Platz zwei vorgefahren und sogar die – bis dahin unschlagbar scheinende – Gesamtführende sah, nahm ich mein Herz in die Hand und fuhr einfach vorbei. Es erschien mir noch nicht einmal so hart.  (Gewinnen ist in der Regel grundsätzlich nicht so hart wie hinterher fahren. Deshalb sehen Sieger auch nie k.o. aus.) Wir arbeiteten bis zum Ziel zusammen und tatsächlich dufte ich mich am Ende über meinen ersten Sieg diese Saison freuen!

Für meinen Kopf war es wie eine Erlösung – hatte ich doch endlich zeigen können, was ich drauf hatte und ein Ergebnis eingefahren, was die eigentlich Leistung widerspiegelt! Zeitweise glaubt man ja schon fast selbst nicht mehr dran…

Die einzig richtige Antwort muss man dann eben selbst geben! 😉

volcat_betty_janas_2017

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