Das Rennen in Riva ist echt nicht so geil

Julian Beigang beim North Lake Enduro in Riva: „War´s jetzt so schlimm?“

 

‘Das Rennen in Riva ist echt nicht so geil’, ‘die Strecken am Gardasee sind halt nicht grad so toll’. ‘Ein Mist Rennen ist Riva’, ‘Ich hasse das Gelände da’ Und so weiter. Viele dieser motivierenden Statements vor der Fahrt nach Riva habe ich noch genau im Ohr. Da ich vor dem Ziener Bike Festival noch nie am Lago di Garda biken war habe ich dann doch nicht allzu große Erwartungen gehabt. Keiner redet positiv darüber, das kann ja gar keinen Spaß machen da!

Am Freitag bin ich mit dem Corratec XTB Riders Team angereist und dachte erstmal: „Mir gefällt`s immerhin hier!“ Wunderschöne Landschaft wo man hinsieht 😉. Festivalstimmung, Eisdielen, wenn die Trails so mies sind, machen wir uns hier eben trotzdem ein geiles Wochenende. Wetter war ja super, die Laune im Team gut. Einfach nicht an das Rennen denken das keinen Spaß macht, mit den Leuten quatschen, die Atmosphäre genießen.

Am Freitag Abend gab es bei uns ein entspanntes Barbecue und im Anschluss ging`s zur Riders Party im La Paz. Der Laden war gut gefüllt, es gab Life Musik, ein  Brett Tippie in Partystimmung schaute mal rein. Dass ein rauflustiger Kerl von der Polizei abgeholt wurde, der wohl kaum mehr Blut im Alkohol hatte, konnte der Party nichts anhaben. Ein gelungener erster Abend in Riva!

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Aber es half alles nichts, ein Rennen wollten wir doch auch noch fahren dieses Wochenende. Da war doch was. Darum shuttelten wir am Samstag früh hoch Richtung Monte Altissimo, wo oberhalb von Brentonico die Stage 1 startete. Nachdem wir uns einmal verfahren hatten und auf Schnee gestoßen waren fanden wir den Start auch. Der ein oder andere noch mit einer etwas ungesunden Gesichtsfarbe oder etwas übertrieben gut gelaunt vom Vorabend.

Ja gut was soll`s, bringen wir das Taining hinter uns, auch wenn die Strecken doof sind. Es war ziemlich frisch dort oben, also auf ging`s im 5er Train in die Stage. Die 1 war teilweise extra für das Rennen im Wald erschaffen worden. Als wir vom schnellen Wiesenstück in den Wald einbogen:  Überraschung! Unfassbar: Super softer Waldboden, ganz frisch, ganz locken, wir carvten im Slalom um die Bäume, unter dem Laub immer wieder Felsen versteckt, schossen in einen Canyon mit Rockgarden.

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Ich finde jetzt keinen anderen Ausdruck dafür, aber wir hatten vor allem eines: Spaß!

Spaß hier? Keiner hatte damit gerechnet. Naja was soll`s dann nehmen wir es wie es ist.

Das war bestimmt nur die erste Stage. Wird schon noch aufhören der Spaß.

Auf den weiteren 4 Stages wollte er aber einfach nicht enden. Nichts zu machen.

Wir drifteten durch enge Turns, flogen über Steinfelder, Bremsen auf und ballern! Schnell, technisch und sogar immer wieder flowig! Wir waren uns einig: Was für eine geile Rennstrecke. Außer man hat eine Stein- und Felsen – Allergie oder sowas. Oder man hasst es wenn es im Fahrwerk rumpelt. In unserem Fall ganz unser Geschmack. Wäre das jetzt nur schon der Renntag gewesen.

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Die Wettervorhersage für Sonntag war halt leider etwas feucht. Und da waren wieder die Stimmen von allen Seiten. Schlechte Voraussagen, düstere Vorahnungen schienen in Riva an der Tagesordnung zu sein.

‘An eurer Stelle würd` ich`s  lassen’, ‘Bei Regen is des hier wir Glatteis’, ‘das kannst du bei nässe nicht fahren, der Fels ist wie Schmierseife’, ‘Jungs isses euch das Risko wert?’, ‘Bei Regen start ich nicht, das is kein Spass!’.

Trotz allem fanden wir uns Sonntag morgens um 8 Uhr am Shuttle Platz in Riva ein. Über Nacht hatte es etwas geregnet und nun rieselte es leicht auf uns herunter. Nico Lau startete nicht wie wir erfuhren. Die Stimmung im Shuttlebus war wirklich apokalyptisch. Angespannt. Jeder auf seine eigene Art, der Eine redete ununterbrochen ohne Punt und Komma, der Andere redete gar nicht mehr. Ich zählte mich zu den letzteren und starrte aus dem Fenster, versucht mich zu konzentrieren, zu entspannen.

Oben war es sehr kalt, so suchte das nun überschaubar kleine Fahrerfeld Wärme, Cappuchino und Kuchen im Restaurant in der Nähe des Starts. Die Gesellschaft beruhigte mich ein wenig, aber ich hatte schon ein bisschen die Hosen voll. Diese Stimmen der Leute vor dem Rennen im Kopf!

Aber jetzt ging`s los. Alles locker schütteln, einfach reinstürzen, sehen was kommt, keiner weiß es so genau! Allen ging es gleich, es war nicht einzuschätzen in welchem Zustand der Boden war.

Ich freute mich auf den Start. Endlich, vergiss die Stimmen!

Und rein in die Waldsektion. Überraschung!

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Ich konnte es mal wieder nicht fassen. Es wäre gelogen zu sagen das es überhaupt nicht rutschig war. Aber es war nicht scheiße, kein Alptraum, sondern wirklich gut zu fahren. Nicht so nass im Wald. Mit viel Flow kam ich durch die erste Stage. Klar, die wirklich felsigen Dinger warteten jetzt noch auf uns.

Aber auch auf den nächsten Stages: Gar nicht so wild! Das geht alles. Es gab wirklich rutschige Stellen, aber es machte Laune und wurde eben noch etwas technischer. Man konnte die Bremsen aufmachen! Nur Vorsicht beim Bremsen, das brauchte etwas länger 😉 Lediglich die Felsplatten im unteren Teil wurden wegen ein paar frischen Regentropfen wirklich ernsthaft rutschig. Da musst man irgendwie drüber schlittern. Ansonsten wurden wir während des Rennens vom Regen verschont. Was einzig und allein etwas störte: Man wusste oft nicht so recht wo die Stage endete und ballerte ab und zu im Renntempo weiter, obwohl die Zeitmessung längst zu ende war.

Das Fahrerfeld war ziemlich hochkarätig, nur 23 Fahrer finishten in der Open Men Klasse, darunter das Cube Action Team, Ghost Factory Racing, Radon Magura Factory Team. Da war Platz 20 von 23 echt egal. Das was zählte: War`s jetzt so schlimm?

Nein! Es war sogar ziemlich geil! Hammer Rennen, für mich ein vollkommenes Wochenende. Was will man mehr?

Kindergeburtstage sind Enduro Rennen halt eigentlich nicht. Gemeckert wird immer.

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Text by Julian Beigang, images by Sportograf

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