XTERRA Germany, Deutsche Meisterschaft 2019 – Mein wohl bestes Rennen ;-)

In diesem Jahr wurde der nationale Titel der Crosstriathleten, wie schon in den Jahren 2015 und 2017, in Zittau im Rahmen des deutschen XTERRA Rennens in der Welt- und Europaserie vergeben.

Mein großes Ziel, das mich seit Jahren in diesem Sport antreibt, ist auch in diesem Jahr wieder, den Titel und damit meinen fünften DM Titel in Folge zu gewinnen. Diese Serie, ich kann es bis heute nicht begreifen – ist so unglaublic, dass ich immer noch meine, ich befinde mich in einem Traum.

Als ich vor vier Jahren das erste Mal beim deutschen Rennen der XTERRA Szene am Start war und damals mit Platz 5 und dem Gewinn meines ersten Deutschen Meister Titels mein bestes sportliches Resultat auf einer großen Bühne hatte, dachte ich, besser gehts nicht mehr.

Vom ersten Augenblick fand ich es faszinierend, inmitten der Top-Stars wie Ben Allen (Australien), Bradley Weiss (Südafrika), Francois Carolni (Frankreich) und meinem Freund Roger Serrano (Spanien) zu stehen und diesen Sport in der Natur, die mir soviel gibt, zu genießen. Damals durfte ich auch die Leute, welche die Fäden in Hintergrund dieser riesigen Veranstaltung, die soweit östlich in Deutschland liegt wie ich westlich wohne, kennenlernen.

Heute, sind wir nun vier Jahre weiter und ich war in diesem Jahr zum fünften Mal in Zittau am Start und durfte es wiederum von einer neuen Seite erleben. In den Videos, Vorberichten und in der Zeitung wurde mein Name und ich als Person oft als der „hometown favorite“ beschrieben, der ich mit einer Anreise von mehr als 800km aber doch eigentlich gar nicht bin und sein kann!?

Das ist aber genau das was ich meine: Dass ich Land und Leute in diesen Jahren anders – ja familiär – kennenlernen durfte. Während der Tage vor und nach dem Wettkampf bin ich dieses Jahr nicht einfach in einem Hotel und mache mein Ding. Gut mein Ding mache ich trotzdem, aber ich wohne bei der Frau, bei der alle Fäden der Veranstaltung zusammenlaufen und lerne Ihre Familie, von der Oma bis hin zum Nachbarshund, kennen. Auch das ist es, was XTERRA so einzigartig macht: Man ist inmitten der Natur, treibt Sport auf höchstem Niveau und dennoch geht es familiär zu. Alle Athleten haben diese Einstellung und das ist richtig cool.

Am Renntag haben wir richtig gutes Wettkampfwetter, nicht zu warm, nicht zu kalt und etwas bewölkt mit Aussichten auf Sonne 😉 Druck, den fünften Titel in Folge zu gewinnen und damit diese unglaubliche Serie um ein weiteres Jahr auszubauen, verspüre ich irgendwie gar nicht.

Nach dem Line-Up und der Vorstellung der Athleten wird es ernst. Vom Start an fühle ich mich wie entfesselt und schwimme von der ersten Sekunde an meinen Rhythmus. Dass ich mach 18 Minuten als Erster aus dem See komme, das hatten viele auf dem
Zettel. Dass der Rückstand der ersten Verfolger jedoch schon über eine Minute beträgt, das sicherlich nicht. Auch auf dem ersten Teil, der mit 37 Kilometern, 1000 Höhenmetern eine sehr anspruchsvolle Mountainbikestrecke ist, auf der es durch den ersten recht flachen zudem windanfälligen Teil nicht grade von Vorteil ist alleine zu fahren, fühle ich wie entfesselt, quasi wie auf einer Mission. Nach 6 Kilometern werde ich vom ersten Verfolger eingeholt und fahre von da an mit ihm gemeinsam. Bis Kilometer 15, also am höchsten Punkt der Strecke, harmonieren wir recht gut, obwohl es eigentlich nur bergauf geht 😉

Nach der ersten Abfahrt, einem recht schwierig und anspruchsvoll zu fahrenden Trail hinunter vom Hochwald, bin ich dann auf einmal alleine, drehe mich mehrmals um, um zu sehen, wo mein bis eben noch Mitstreiter denn ist, sehe ihn aber nicht mehr und entscheide mich blitzschnell, den Gashahn noch etwas mehr zu öffnen. In all meinen Jahren, in denen ich nun schon hier in Zittau am Start war, ist es das erste Mal, dass ich an dieser Stelle der Strecke noch, beziehungsweise wieder alleine bin. Es folgt ein langes, teils trailiges Stück was uns auf eine Zusatzschleife der Strecke bringt. Immer noch fühle ich mich überragend. Wie groß mein Vorsprung auf die Verfolger ist, weiß ich zu diesem Zeitpunkt nicht. 

Am letzten richtigen Anstieg, hinauf zum Ameisenberg, habe ich immer noch genug Energie, um das Tempo ein weiteres Mal zu erhöhen. Als ich den „Gipfel“ in Mitten des Walds erreiche, sehe ich auch meinen einstigen Mitstreiter wieder. So um die 40-50 Sekunden werden es noch sein, die ich zu diesem Zeitpunkt noch an Vorsprung habe.
Danach passiert bis zu Wechselzone, also dem Wechsel in die Laufschuhe für den abschließenden 10km Trailrun, nichts mehr.

Jetzt dieses Gefühl, ich kann es in diesem Moment spüren, würde es so gerne genießen, aber ich weiß, dass mich diese 10km noch von meinem fünften Titel in Folge trennen. Ich weiß nicht wie viele Leute es sind, aber alle brüllen, jubeln und sind brutal aus dem Häuschen, dass ein Deutscher, hier vor heimischen Publikum als Erster und dazu noch alleine in die Laufschuhe wechselt. Ich sehe mich selbst auf den Videowänden und laufe wie entfesselt aus der Wechselzone. Beim Abbiegen auf die Runde nehme ich im Augenwinkel Heike, meine Gastgeberin wahr und die Stimme des XTERRA Europatour Direktors, Nicolas Lebrun, welcher es scheinbar auch nicht glauben kann, dass ich immer noch führe und das alleine.

Ich kenne immer noch keine Abstände auf die Jungs hinter mir. Aber egal was passiert, ich habe meinen Plan, den ich mehrfach mit meinem Trainer besprochen und mehrfach in meinem Kopf durchgespielt habe. Ich laufe mein Tempo und konzentriere mich, weil ich weiß, dass ich es kann. Auch dass mich der erste Verfolger, Lukas Kocar (Tschechien), schon nach dem ersten Kilometer überholt, ändert nichts an meiner Herangehensweise.
Nach dem Trail, welchen man hier auf den zehn Kilometern in zwei Runden laufen muss, überholt mich dann auch der amtierende Europameister Arthur Serries aus Frankreich. Dass ich diesen Überläufer nicht halten kann ist fast klar, aber der Tscheche ist immer noch in Sichtweite, keine 100m vor mir.

Kurz vor der zweiten Runde sehe ich einen Freund, der durch eine Verletzung in diesem Jahr leider nicht am Rennen teilnehmen kann, aber an der Strecke die Athleten wie auch mich unterstützt. Das erste Mal am heutigen Tage frage ich nach meinem Vorsprung auf den zweiten deutschen Starter, den er mir zu diesem Zeitpunkt mit zwei Minuten angibt. Sicherlich auch als Ansporn, dass ich jetzt bei noch fünf zu laufenden Kilometern nicht nachgeben und weiter pushen soll. Gut, der Franzose ist weg, aber den Tschechen habe ich immer noch im Blickwinkel und als wir ein zweites Mal in den Trail einbiegen, ist es mein junger Teamkollege, Timo Spitzhorn, den ich in diesem Moment gerade umrunde, der sagt, „Jetzt hol ihn Dir!“ Ich weiß nicht, ob es die zweite oder dritte Luft ist, die ich heute nutzen kann. Keine 20 Sekunden später laufe ich an Lukas vorbei und baue meinen Vorsprung bis ins Ziel noch um einige Sekunden aus. Schon vor dem Zielkanal weiß ich es. Das war das Rennen meines Lebens. Ich höre den Sprecher über die Boxenanlage und weiß, dass ich gleich zum unglaublichen fünften Mal in Folge Deutscher Meister im CrossTriathlon werde und dass ich diesem Moment genießen und feiern kann.

Im Ziel erwartet mich der Sieger des XTERRA Deutschlands Arthur Serries als Erster Gratulant mit offenen Armen, wobei ich mir gar nicht sicher bin ob er überhaupt weiß, dass wir unsere nationalen Titelkämpfe hier und jetzt in diesem Rennen austragen.

Egal. Bierdusche, sowie die Umarmung von Heike und ihrer Tochter lassen nicht lange auf sich warten und um zu erleben, was am selben Abend noch nach der Siegerehrung auf der traditionellen und überragenden After-Race Party passiert, dafür solltet ihr nächstes Jahr selbst mal nach Zittau kommen 😉

An dieser Stelle: 
Herzlichen Glückwunsch an Maximilian Sasserath und Peter Lehmann für den zweiten und dritten Platz bei der Deutschen Meisterschaft.

Danke XTERRA Germany, danke O-See Challenge und danke an Heike und ihr Team, wie sehen uns in 2020.

text by Jens Roth

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