Fotograf beim härtesten Hindernislauf Europas

Es ist gerade erst 4:30 Uhr, als mein Wecker mich nach wenigen Stunden bereits wieder aus meinem Schlaf riss. Draußen herrschten Temperaturen von -6 Grad Celsius. Viel Zeit zum munter werden blieb leider nicht. Zusammen mit acht weiteren Fotografen des Chemnitzer Teams ging es für mich zum „Getting Tough – The Race“ im thüringischen Rudolstadt, dem wohl härtesten Hindernislauf Europas, wie die Veranstalter selbst behaupten.

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Mein Kameraequipment hatte ich bereits am Vorabend gepackt. Bevor es 5:30 Uhr los ging, hießt es noch warm anziehen: zwei paar Skisocken, gefütterte Winterschuhe, Skiunterwäsche, eine Hose, einen Pulli, eine Weste, eine Jacke sowie Mütze, Handschuhe und Schal. Ich fühlte mich nicht nur in meiner Bewegung extrem eingeschränkt, sondern bekam nicht einmal mehr meine Sportograf-Warnweste zu.

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Als wir kurz nach 7 Uhr das Veranstaltungsgelände erreichten, wurde es langsam hell und ich schaute mir zunächst mit ein paar Kollegen die Strecke an. 150 Hindernisse und über 1000 Höhenmeter sollten die 3200 Teilnehmer an diesem Tag erwarten. Nach einer kleinen Tasse Glühwein zum aufwärmen, wies ich mein Team zunächst ein und versorgte sie mit allen nötigen Informationen. Um kurz vor halb 11 Uhr erfolgte schließlich endlich der lang ersehnte Massenstart, bei immer noch -4 Grad Celsius, ein Gänsehautmoment für alle Beteiligten. Im Hintergrund hörte man dutzende Trommler, die die Stimmung anheizten. Am Himmel flogen drei Kunstflugzeuge, bei denen es mir schon beim Anschauen schwindlig wurde. Die Kameraden der Feuerwehr kannten ebenfalls kein Erbarmen.“Wasser marsch!“, schrie der Wehrleiter. Von insgesamt drei Seiten wurden die Teilnehmer bereits klitschnass gemacht, bevor es überhaupt losgegangen war.

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Nachdem der Start erfolgte, verteilten sich alle Fotografen an ihre zuvor festgelegten Spots. Bereits nach 90 Minuten kam der Erste vorbei. Nur noch durch die dutzenden Hindernisse im Start-/Ziel-Bereich, dann hatte er es geschafft. Bereits zum dritten Mal in Folge holte er sich den Gesamtsieg, mit einem Vorsprung von etwa 10 Minuten. In der Zwischenzeit kämpfte sich auch die Sonne über die kleinen Berge, knapp +2 Grad zeigte das Thermometer an. Langsam fing ich sogar an, zu schwitzen, während die Teilnehmer in ihren kurzen Outfits nur so vor sich her zitterten. Einerseits hatte ich Mitleid, andererseits wurde niemand dazu gezwungen, an dem Hindernislauf teilzunehmen. Hunderte Läufer hatten mit Krämpfen zu kämpfen, die fleißigen Helfer vom Rettungsdienst waren im Dauereinsatz. Viele Teilnehmer gaben bereits einige Kilometer vor der Ziellinie auf. Rappelvoll war das Zelt, indem sie sich nach dem Lauf aufwärmen konnten. Ein Teilnehmer bat mich sogar während des Rennens, seine Schnürsenkel zuzumachen. Er zitterte am gesamten Körper. Ein anderer fragte mich nach einem warmen Schluck zu trinken, doch ich hatte leider nur noch eiskaltes Wasser bei mir. Anders als bei anderen Extremhindernisläufen, bei denen die Läufer vor der Kamera posieren oder nett lächeln, würdigte mich keiner eines Blickes. Alle waren viel zu sehr mit der Kälte und sich selbst beschäftigt.

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Mit Einbruch der Dunkelheit machten wir unsere letzten Fotos. Schnell ging es auch für uns zum aufwärmen und dem Kopieren aller knapp 30.000 entstandenen Bilder. Wir freuen uns bereits schon jetzt auf eines der Highlights der Eventsaison 2017, dem „Getting tough the Race“. Wenn es wieder heißt: „The race that destroys you!“

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