Die Mountainbike Praline…

24h Stunden Rennen gehören zu den spannendsten Event die wir als Fotografen begleiten dürfen. Das trifft ganz besonders auf das Rennen in Finale Ligure zu. Bei nur wenigen anderen Events gehen unglaubliche Singletrails, schöne Landschaft, warmes Klima und eine grandiose Gänsehautstimmung, so perfekt Hand in Hand wie bei diesem unglaublichen Rennen.
Unter dem Motto „Superheroes at work“ haben wir Superman, Catwomen & Co. auf den Bikes fotografiert. Unsere ganz persönliche Heldin in Finale war dieses Jahr aber ein Schwarzwälder Mountainbike Urgestein. Im Vorjahre wurde sie in Finale zur 24h Vize Europameisterin im Solo Rennen gekürt, dieses Jahr war Eva Fünfgeld, Chefin der Fahrtechnikschule Hirsch-Sprung, einfach nur froh, nach langer Verletzungspause und Knie OP wieder am Start zu stehen. Viel Spaß bei ihrem ganz persönlichen Rennbericht!

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Es ist wie mit einer Praline, es kommt immer darauf an wie der Mountainbiker sie sieht … Entweder ist ein 24 H Rennen wie ein Schokoriegel mit Füllung auf dem Du ewig rumschlotzen kannst oder das gigantischste, echte, erfüllende und längste süßeste Menü für wahre Mountainbike Fans; leben und bewegen im Freien.

Das Singletrailspektakel in Finale Ligurien ist seit 1999 ein in sich immer gesund gewachsenes Mountainbikegewächs. Die  „Macher“ pflegen es stets mit guten Ideen, Fairness, Respekt, schönen Singletrails und ordentlicher „Around the Race Action“.  Ein  Mammut an Staff- und Crewteam mit der Mentalität „fast alles wird möglich gemacht“ sorgen für eine perfekte Organisation.

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Was macht diese Rennen & die Region aus, um jahrelang dahin zu pilgern? Ganz einfach :

Das Event ist ein Klassiker und im Ursprung des Mountainbike Sports treu geblieben. Der faire Umgang auf schmalen, anspruchsvollen Trails zwischen Hobby Bikern und Semiprofis, zwischen Kohlefaserfreaks und Enduro Gummikuhriders ist so hoch, dass ich mich bis heute Frage, wie ist das möglich? Das 8er Team, das sich die über 90 prozentige Trailstrecke über 24 Stunden teilt und das Barbecue auf dem Zeltplatz mehr feiert und das vierer Team das jede Sekunde austüftelt und um den Sieg fightet und kaum die Schönheit der Natur in Ligurien aufsaugt. Alle kommen fair aneinander vorbei. Es klingt fast schon mystisch, aber dies ist bei keinem anderen Event das ich kenne zu toppen.

Der Weg zu meinem Lieblingsrennen war dieses Jahr aber deutlich länger und steiniger, wie in den Vorjahren. Nach erfolgreicher Knorpeltransplantation am 15.September in der Uniklinik Freiburg wusste ich, ich kann nur wieder aufs Mountainbike zurück , wenn ich die Ansagen und Vorgaben meiner Sportmedizinerin  Dr. Anja Hirschmüller konsequent verfolge und hier die selbe Ausdauer aufbringe wie bei einem 24 H Solo Rennen.

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Die ersten 3 Monate nach OP war ich nur damit beschäftig, mein Knie komplett zu entlasten, eine passive Motorschiene 4-6 Stunden pro Tag mein Knie in Bewegung zu halten und dreimal pro Woche morgens um halb 8  in unser Dorfschwimmbad zu gehen und meine Arbeit im Büro aufs Sofa zu verlagern, was ja in unserem Job Gott sei Dank möglich ist. Die Konsequenz in der Physio führt dazu, dass ich im März die ersten Kilometer in Flachen auf Mallorca absolvieren konnte.

Die Reha ist wie das Rennen in Finale ….nie aufgeben, nie zweifeln und nie unkonzentriert deine Abläufe führen.

Am Ende hat sich das alles ausgezahlt und ich stehe mit pochendem Rennblut am Start. Zwar nicht in der der gewohnten Weise als Solorider wie die letzten Jahre, sondern in einem vierer Team ohne Sieger Ambitionen mit meinem Mann und zwei Freunden, aber einfach nur die Rennluft aufsaugen reicht, um mir ein breites Grinsen ins Gesicht zu zaubern.

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Los geht’s, die erste Runde. Voll ist es auf den Trails zum Meer. Dafür kann man aber noch ein bisschen die gigantische Aussicht über das azurblaue Mittelmeer genießen. Im langen Anstieg berghoch schaff ich es, ein paar Fahrer zu überhohlen. Vom höchsten Punkt aus geht es in einem Anlieger Traum bergab, der sein Höhepunkt im Tobago Stadium findet. Wie ein Sog zieht es mich an, die Zuschauer beben und toben vor Freude. Schweiß und Staub verbinden sich auf meiner Gänsehaut. Einfach eine unglaubliche Stimmung.

Wechselzone… Ich sehe meinen Mann in dem Knäul von bunten Trikots? Eine zweite Runde am Stück würde mein Knie nicht gut heißen. Ein flüchtiger mit Sand zusetzten knirschenden Kuss und ab geht die Post. Dann eine liebe feste Umarmung  von unserer Tochter „Mama ich bin ich stolz auf Dich dass Du auf Dich achtest“. Pause.

So geht es Runde um Runde, bis in die Frühen Morgenstunden. Das Knie hält, die Balance ist wieder da, ich hab’s noch drauf! Das macht Mut fürs nächste Jahr.

Als es pünktlich zum Sonnenaufgang anfängt zu Regnen, entscheiden wir uns für eine Rennunterbrechung. Die Gefahr für mein Knie und das doch noch sehr unerfahrene Team ist uns zu groß. Und noch haben wir die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es sich um ein Finale typischen kurzen Regenschauer handelt.

Aber irgendwann kribbelt es erneut in meinen Beinen… ich will los, ich will auf die Strecke, sehen was geht… Ich schlüpfe aus dem nassen Zelt und frage Biker, die von der der Strecke kommen, wie es denn aussieht. „Hey super du kannst fahren“, „guter Gripp, nicht zu nass“. Fünf Minuten später bin ich „on Tour“ den Nebelschwaden entgegen und meine Gedanken bekommen Flügel…. Ja das Comeback 2017 zur WM  ist möglich… YEP i will do it!

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Eva Fünfgeld

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