Trek Bike Attack

Das Trek Bike Attack 2015 – Der vierte Anlauf

Seitdem ich im Jahr 2012 das erste Mal auf dem über 2800m hohen Rothorngipfel im Schweizer Lenzerheide stand, umgeben von 800 Bikern, voller Adrenalin und überwältigt von der unbeschreiblichen Atmosphäre, war für mich eines klar:

Es wird ein Wiedersehen geben.

Nach einer völlig kopflosen wie unterschätzten ersten Trainingsabfahrt hatte ich damals auf den Qualifikations- Run verzichten müssen.  Der Sturz gleich oben im berüchtigten Geröllfeld ließ mich sonntags aus der Gondel Humpeln und mit einer provisorisch zusammen getapeten  Hand von ganz hinten starten.  Nach einem Platten kam ich dann trotzdem noch irgendwann im Ziel an. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

Sportograf @ Trek Bike Attack

Soweit zum emotionalen Rückblick. Dieses Jahr hieß es für mich Bike-Attack die Vierte.

Nun kein Neuling Mehr ging es für mich am Freitag –  Morgen  den 7. August 2015 voller Vorfreude zum Training auf die vertraute Strecke.  Verteilt auf 20 km lässt sie die Fahrer 2000 Tiefenmeter vernichten. Dazu werden noch 140 Höhenmeter auf den kurzen Gegenanstiegen nach der Talstation bis nach Churwalden gesammelt. Wer schon einmal dabei war weiß, wie diese nach der harten, nahezu pausenlosen Abfahrt über 1400hm wehtun können.  Die Strecke hat es in sich. Schon bis zur Talstation lässt sie die Muskeln ganz schön ermüden.

Auf ein grobes Geröllfeld folgen super schnelle Schotterweg – Passagen, teils voller Bremsrillen und Löcher. Top – Speed war laut unserer Messung 85 Km/H. Es folgen spaßige Almwiesen Stücke mit der ein oder anderen „tricky“  Kurve. Aufgrund der extremen Trockenheit war die Strecke maximal schnell, jedoch auch stellenweise lose und rutschig. Nach einem kurzen flachen Singletrail gelangt man in einen steilen Hang, durchfährt ein paar Steilkurven und hat die „Schlüsselstelle“, ein von tiefen Gräben und tückischen Steinen durchzogenes  Stück vor sich. Nach einer rutschigen Kurvenkombination erreicht man nun die Mittelstation „Scharmoin“ und somit den Eingang zum neu Eröffneten Bikepark.

Sportograf @ Trek Bike Attack

Nun folgt man der „Primeline“ des Parks vollends bis ins Thal.  Auf den zahlreichen Tables und Anliegern  hatten wie einen riesen Spaß, der den Schmerz der durchgeschüttelten Hände ausblendete. Denn beim Training von 800 Fahrern sind die Bremsrillen ganz schön tief geworden.

Ab der Talstation geht es bis Churwalden noch auf und ab durch Wald und Wiesen.

Bei der zweiten Trainingsabfahrt rutschte ich weg, stürzte und verlor die Schraube, mit der das Schaltauge am Rahmen befestigt ist. So ging es dann ohne Schaltwerk und Kette runter nach Lenzerheide,  wo sich in einem Bikeshop im Dorf zum Glück Ersatz fand. Ansonsten fühlte ich mich gut auf der Strecke und freute mich auf den gezeiteten Run am nächsten Tag.

Sportograf @ Trek Bike Attack

Am Samstag  – Mittag fand die wichtige Qualifikation bis zur Talstation statt. Hier wurde über die Starposition für das Rennen am Sonntag entschieden.

Ich traf meine Linien im oberen Teil gut, holte auf einige Fahrer auf und fühlte mich auch nach dem Highspeed Part noch recht frisch.

Leider hatte ich ab dem Singletrail vor der Mittelstation einen langsameren Fahrer vor mir der mich mehrmals zum Absteigen zwang und auch in der folgenden steilen Wiesenpassage das Überholen unmöglich machte.  Ich musste viel Bremsen, was meine Arme unnötige Kraft kostete.

Sportograf @ Trek Bike Attack

In der technischen Passage kurz über der Mittelstation schien die Gelegenheit zum Überholen endlich gekommen zu sein. Bremsen auf und Vollgas.  Schade dass mein Vordermann sich im letzten Moment doch noch für dieselbe Line entschied. Meine Vollbremsung beförderte mich vom Rad über den Streckenrand. Bis ich wieder in den Fahrfluss kam dauerte es einige Minuten.  Im Bikepark fuhr ich alles andere als schnell.

Mit einer Zeit von 19.16,6 Minuten und Platz 193 war das Ergebnis aber immer noch zu verkraften.

Die Platzierung brachte mich immerhin noch in den 4. Von 9 Startblöcken. Trotz allem nicht ganz so weit hinten.

Um mein Rad möglichst weit vorne zu platzieren stand ich bereits um 5 Uhr am nächsten Morgen bzw. gefühlt mitten in der Nacht auf. Um 6 Uhr kurbelte ich vom Camping Platz zur Liftstation und traf zu dieser unmenschlichen Zeit schon auf ein reges Treiben.

Die Morgenstimmung auf dem Berg war herrlich, doch nach einer halben Stunde legte ich mich auf einer  Bank in der Gipfelstation noch etwas schlafen. Da es sich nicht mehr lohnte noch einmal herunterzufahren verbrachte ich die verbleibenden 5  Stunden bis zum Startschuss um 13 Uhr dort oben. Mit einem zweiten Frühstück und in unterhaltsamer Gesellschaft verging die Zeit irgendwie.

Sportograf @ Trek Bike Attack

Immer wieder ein atemberaubender Anblick diese 800 Räder vor dem 360 Grad  Bergpanorama. Heute in strahlendem Sonnenschein.

Nachdem ich mich kurz aufgewärmt hatte, bahnte ich mir den Weg zu meinem  Rad und befand mich nun in der beeindruckenden Fahrermasse.  Ich zog Helm und Goggle an, konzentrierte mich voll und ganz auf den Start. Mein Puls beschleunigte sich.

Peng-

Während die Top Fahrer schon als Staubwolke der bekannten ersten  Kurve entgegen preschten, gab es bei mir noch ein zaghaftes aufrücken vor zum Startbogen.

Piiiiiieeep-

Nun lief die Zeit und es ging auch gleich voll zur Sache. Es wurde gedrückt was ging um möglichst gut in die erste Kurve zu kommen. Einen Fuß heruntergenommen driftete ich durch das lose Geröll und zwischen den Anderen hindurch um die unglaublich rutschige Kurve herum. Dann klickte ich sofort wieder ein  und trat in die Pedale was ging. Ja nicht hier im Breiten Stück überholen lassen.  Alle anderen taten es mir gleich. Ich versuchte möglichst save die Linien im Geröllfeld zu fahren um einen Sturz zu vermeiden. Teilweiße musste ich aber doch mal hier mal dort mitten durch die Brocken fahren.  Das ging schon mal gut. Danke Tubeless!

Sportograf @ Trek Bike Attack

Im Steilstück staute es noch etwas, sowie im ersten Singletrail, doch dann ging es mit hohem Tempo weiter Richtung Mittelstation. Es wurde heftig gepusht und überholt, es kam zu regelrechten Duellen. Ich liebe dieses Rennen!

Die Bremsen zu öffnen war in den schnellen Passagen nicht ganz einfach. Die Fahrer wirbelten eine dermaßen dichte Staubwolke auf, dass ich kaum mehr ein paar Meter weit sah und keine Details mehr erkannte. Mein Mund war voll mit Dreck, den ich andauernd einatmete.

Bei 3 Teilnahmen habe ich etwas über die Krafteinteilung bei diesem Rennen gelernt, doch wieder hatte ich im oberen Teil bereits zu viel Gas gegeben.

Sportograf @ Trek Bike Attack

Als ich durch die ersten Anlieger des Bikeparks rauschte war ich alles andere als frisch. Hinter mir hörte ich jemanden dich auffahren und etwas rufen. Ihn hier durchzulassen war aber schwierig, also versuchte ich nicht zu Bremsen und schneller zu fahren. Ich flog über den ersten kleinen Table, schnitt eine Kurve, rollte über den Holzanlieger, öffnete die Bremse und fixierte mich darauf,  für den nächsten Table viel Schwung um die Kurve mitzunehmen. Das Letzte was ich noch hörte war wie jemand hinter mir „Come on dude, come on dude!“ brüllte, dann krachte mein Verfolger mitten im Anlieger voll in mich rein. Er hatte wohl versucht innen zu überholen, wo der Untergrund rutschig war. Jetzt rappelten wir uns beide vom Boden auf und suchten nach unseren Bikes. Zittrig fuhr ich weiter, hatte aber auf einmal null Kraft in meinen Händen. Ich bemühte mich nicht zu bremsen, flog nicht besonders schön über die Sprünge und kam im Tal an. Ich wollte voll in  die Pedale treten und bemerkte, dass Herunterschalten nicht ging. Der Bremshebel war verbogen. Ich  hielt an, drückte ihn mit aller Kraft wieder in seine Position, schwang mich aufs Bike und gab alles was meine Beine hergaben. Mein Rücken schmerzte und ich hatte das Gefühl von Atemnot. Der erste von 3 Anstiegen ist wirklich fies.  Der Sauerstoffmangel ließ meine Arme bei den Trail Abfahrten  zittern.  Kurz vor dem Ziel übersprang ich noch aus Euphorie über die vielen mich anfeuernden Zuschauer den Weg, überholte einen letzten Fahrer  und sprintete so schnell ich konnte auf den restlichen Metern.

Nach der Ziellinie ließ ich den Kopf auf den Lenker fallen und rang nach Luft. Ein geiles Gefühl. Ich weiß jetzt schon, dass ich nächstes Jahr wieder kommen werde. Ich beendete die insgesamt  15.  Auflage des Trek -Bike-Attack mit einem  ganz akzeptablen 121. Platz unter den Herren. Die 40 Minuten Marke knackte ich leider wieder nicht. Anderseits aber das bisher pannen- und verletzungsarmste  Bike-Attack für mich. Und somit auch das erfolgreichste.  Andere kamen mit komplett verbogenem Rad ins Ziel, ohne Sattel, oder übergaben sich erst einmal.

Sportograf @ Trek Bike Attack

Favorit Gustav Wildhaber fuhr nach einem Sieg im Quali auf der Felge durchs Ziel.

Es siegte bei den Männern Stefan Peter  (Wheeler- IXS-Team)  mit einer Zeit von 30.12,5 Minuten vor Marco Arnold (Giant Swiss SR-Suntour ) und Janick Lieberherr (IXS Gravity Union). Bei den Frauen gewann Kerstin Kögler (BMC Factory Trailcrew) die das erste Mal bei diesem Event startete mit 36.07,3 Minuten. Zweite wurde  Birgitt Braumann (Trek Gravity Girls) vor Sandra Börner (Transalpes Factory Enduro Team).

Sportograf @ Trek Bike Attack

Ich denke für mich da geht nächstes Mal noch mehr 😉 Bis nächstes Jahr!

Julian Beigang

 

Trek Bike Attack website

Sportograf @ Trek Bike Attack

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